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Holotropes Atmen

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Stanislav Grof<br />
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Stanislav Grof

Eingebettet sein

Holotropes Atmen ist eine Wortschöpfung von Dr. med. Dr. phil. Stanislav Grof, der zusammen mit seiner Frau Christina diese Methode entwickelt hat. »Holotrop« bedeutet, sich auf Ganzheit zu bewegend. Es ist eine treffende Beschreibung dieser Therapieform, weil sie nicht gewusste Bereiche der Psyche zum Vorschein bringt, so dass wir sie in unser Alltagsbewusstsein integrieren können.

Sitzung für Sitzung können wir unsere eigentlichen Strukturen erleben, unsere verborgenen Emotionen und Antriebskräfte, auch unser Eingebettetsein in universelle Gesetze. Wir ergänzen so nach und nach das Wissen um das komplexe Wunder, das wir selbst und andere sind. Unsere Liebe wächst mit.

Die Technik ist denkbar einfach: Schnelles, tiefes Ein- und Ausatmen mit geschlossenen Augen, also die Überschwemmung mit Sauerstoff, lässt in uns eine Tür aufgehen, eine Schranke fallen. Ein Bewusstseinsinhalt drängt von selbst empor. Dieser Inhalt kann verschiedene Formen annehmen: Bewegungen, innere Bilder, Töne, körperliche Empfindungen, intellektuelle Erkenntnisse, Erinnerungen. Um der atmenden Person das Eintauchen in diese veränderten Bewusstseinszustände zu ermöglichen und zu erleichtern, braucht sie Vertrauen. Deshalb wird bei Seminaren Holotropes Atmen ein geschützter Rahmen geboten. Er besteht aus verschiedenen Elementen:

Jeder Atmer hat einen Sitter (das alles gilt natürlich auch für Frauen, ich schreibe der leichteren Lesbarkeit wegen nicht immer die weibliche Form dazu). Ein Sitter ist jemand, der oder die während des ganzen Prozesses neben der Matte sitzt und auf die dort liegende holotrop atmende Person aufpasst, ihr bei Bedarf Taschentücher reicht, mit ihr zur Toilette geht, sich eben wie ein Babysitter verhält.

Während der Atemsitzung läuft unterstützende Musik mit einem Spannungsbogen, auf der der Atmende in seinen Prozess gleiten, sich tragen lassen kann und verschiedene emotionale Zustände zum Klingen gebracht werden.

Die ganze Gruppe trägt mit ihrer Energie und gegebenenfalls praktischen Hilfe z.B. bei Abpolsterungen dazu bei, dass sich der Atmende seinen Impulsen hingeben kann und mögen sie noch so bizarr scheinen.

Holotropic Breathwork Practitioners begleiten die Sitzung im Raum und geben Unterstützung, wo sie gefordert wird oder notwendig ist. Die Atemsitzung dauert in der Regel zwei bis vier Stunden, kann aber auch länger gehen. Wichtig ist, dass die Person ihren »Prozess« abgeschlossen hat. Dies wird gegebenenfalls durch Körperarbeit am Ende der Sitzung unterstützt, falls schmerzhafte Muskelspannungen eine in der Sitzung angehäufte und nicht erledigte emotionale Ladung anzeigen. Zur Integration des Erlebten malen die Atmenden ein Bild unmittelbar im Anschluss an die Sitzung. Später können sie in einer Sharing-Runde ihren Prozess schildern.

Idealerweise läuft eine Atemreise ohne Eingriff von außen ab. Es besteht eine innere Weisheit, die offensichtlich die Inhalte an die Oberfläche schwemmt, die für die Person gerade essentiell sind - was immer wieder verblüfft. Seitens des Holotropic Breathwork Practitioners finden keine Manipulationen statt, er geht lediglich mit der vorhandenen Energie und unterstützt ihren Ausdruck und ihre Bewusstwerdung durch liebevolle Anteilnahme.

Das Holotrope Atmen ist auch ein spiritueller Weg, wird zu einer Heldenreise, je tiefer und vertrauensvoller man oder frau sich darauf einlässt. Die Inhalte und ihre Bedeutungen und Verknüpfungen, die aus dem Unbewussten aufsteigen können, hat Stanislav Grof in seinen Büchern anschaulich beschrieben.

Kati Wortelkamp

Literatur

  • Stanislav Grof: Das Abenteuer der Selbstentdeckung. Heilung durch veränderte Bewusstseinszustände. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999
  • Ingo B. Jahrsetz: Holotropes Atmen. Psychotherapie und Spiritualität. Stuttgart: Klett-Cotta, 1999
  • Sylvester Walch: Dimensionen der menschlichen Seele. Transpersonale Psychologie und holotropes Atmen. Düsseldorf: Walter, 2002

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