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Bücher

Dieter Mittelsten Scheid: Stille in einer lauten Welt

Details

Hände spielen mit Sand
Bild: pixelio

Jahr für Jahr überschwemmen Meditationsbücher den Markt. Peter Erlenwein hat sich für uns Dieter Mittelsten Scheids »Stille in einer lauten Welt« angenommen.

Das Feuer des Lebendigen

Unter der Flut von Meditationsbüchern, die jährlich den Markt überschwemmen, ragt die Schrift von Mittelsten Scheid wie ein Fels aus der Brandung hervor. In einer ebenso poetischen wie tiefschürfenden analytischen Weise geht der Autor behutsam aber konsequent den zentralen Fragen zur Meditation, zur Kraft aus der Stille nach. Auf dem Hintergrund jahrzehntelanger Erfahrungen im therapeutischen wie spirituellen Bereich entfaltet Mittelsten Scheid ein Kaleidoskop von Einsichten, die inhaltlich wie stilistisch beeindrucken. Keine Mystifizierungen, keine falsche New-Age-Esoterik sondern konkrete Spurensuche bei so hochkomplexen Themenstellungen wie: Wahrnehmung, Identität, Denken und konstruierte Wirklichkeiten, Körper und Sinne usw. Das Motto des Autors: »Dies Buch ist eine Einladung. Jeder beginnt genau dort, wo er in der eigentlichen Wirklichkeit steht. Jeder von uns beginnt im Jetzt. Auf diesem Weg gibt es aus meiner Sicht keine äußere Autorität, die einem sagt, was richtig oder falsch ist. Dies gilt für dieses Buch genauso.«

Dass der Autor bei dem großen Hinterfrager Krishnamurti gelernt hat, ist überall spürbar; seine präzisen Beobachtungen, Hypothesen und klaren Beweisführungen sind nicht nur hilfreich sondern eine Lesegenuss ersten Ranges. Das Schönste dabei ist, dass die Stille bei alldem durchweg erhalten bleibt, ebenso die Entspanntheit im Fluss der Sprache, die, zwischen Logik und Poesie mäandernd, den Leser durch die weiten geistigen Gefilde der Kontemplation und ihrer Auswirkungen auf die eigene Existenz führt. Das Buch ist dementsprechend für den Anfänger wie den Fortgeschrittenen auf solchen Wanderschaften gleich gut geeignet, im Sinne des Zenspruchs: »ZenGeist ist AnfängerGeist.«

Man wünschte sich nun vom Autor, der so tief aus östlichen Quellen geschöpft hat, vielleicht noch ein zweites Büchlein, dass die westlichen Urgründe zur Kontemplation auslotet, die große Erfahrung des Ich bin und der Dreifaltigkeit aller Wirklichkeit, um die Entsprechungen und Gegensätze beider Welten aus der globalen Perspektive unserer Postmoderne anzuschauen. »Das Feuer des Lebendigen«, von dem sich Mittelsten Scheid geleitet spürt, möchte dadurch nur noch heller leuchten.

Bewertung: fünf Sterne 5 von 5 Sternen

— Peter Erlenwein

Dieter Mittelsten Scheid: Stille in einer lauten Welt. Im Schweigen sich selbst erfahren, Kösel 2007, HC, 191 S., 17,95 €

   
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