Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Bücher

Charles Alexander Eastman (Ohiyesa): Die Seele des Indianers

Details

Charles Alesxander Eastman
Charles Alesxander Eastman

Nicht nur Wildwest-Romantik

Charles Alexander Eastman, mit indianischem Namen Ohiyesa, schrieb »Die Seele des Indianers« bereits 1911. Zum 70. Todesjahr des Autors haben Andrea Kölbl und Robert Kozljanič eine Neuübersetzung des Textes mit einem ausführlichen Nachwort herausgebracht.

Eastman, als Indianer geboren, wandelte Zeit seines Lebens in beiden Welten – der indianischen und der der Weißen. Von seiner Großmutter und seinem Vater lernte er die Werte, Traditionen und Mythen der Sioux kennen und promovierte später als einer der ersten Indianer an der medizinischen Universität von Boston.

Insofern gelingt es Eastman, den Glauben und die Sitten seines Volkes in einer Sprache darzustellen, die wir (die weißen Leser) verstehen. Eastman beschreibt klar, knapp und präzise Riten, familiäre Werte und Spiritualität, ohne dabei je unverständlich oder langatmig zu werden. Die Kenntnis der weißen Wertvorstellungen und religiösen Ansichten ermöglicht es Eastman, Vergleiche zwischen dem Glauben der Sioux und christlicher Anschauung zu ziehen. Dabei wertet er selten. Das ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass er als Arzt die indianischen Opfer des Massakers von Wounded Knee im Jahre 1890 behandelte und die Grausamkeit der US-amerikanischen Kavallerie zu spüren bekam. Eastman versteht es, ohne sich in verschnörkelten Details zu verlieren, ein teilweise romantisches Weltbild der Sioux-Indianer aufzubauen. Ab und an etwas zu romantisch, wie auch Kozljanič selber in seinem fundierten Nachwort über den Text und das Leben Ohiyesas zu bedenken gibt. Der Epilog rundet das Buch ab, indem er das Werk in seinen geschichtlichen Kontext einordnet – sachlich und kritisch, aber voller Achtung vor dem Mann, der, wie Eastman über sich selbst schreibt, von »einem menschlichen Standpunkt aus spricht und nicht als Ethnologe«.

Und als Mensch beschreibt Ohiyesa anschauungsvoll die Lebensweise der Sioux, ihre Riten wie Visionssuche, Sonnentanz und Schwitzhütte und den Glauben an das »Große Geheimnis«, ohne die eine noch die andere Lebensart zu glorifizieren und ohne dabei ethnologisch oberflächlich oder gar unverständlich zu wirken. Mit dem Nachwort von Robert Kozljanič ein rundum gelungenes Büchlein über die wahre Seele des Indianers!

Bewertung: sehr gut

Björn Lehmann

Charles Alesxander Eastman (Ohiyesa): Die Seele des Indianers – Ein Siouxindianer berichtet über Glauben und Sitten seines Volkes. Albunea Verlag 2009, 108 S., SC, 14 €

   
© Connection AG 2015