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Diana Richardson: Slow Sex

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Entschleunigung im Bett

Diana Richardson
Diana Richardson

Nachdem ich die Vorgängerbücher alle gelesen habe, war ich gespannt auf Diana Richardson neues Buch »Slow Sex«, das schon von Titel und Aufmachung her anders als die »Zeit für…«-Serie wirkt. Wird sie darin nur das schon bekannte Wissen neu aufbereiten, oder gibt es tatsächlich Weiterentwicklung und Neues? So begann ich interessiert zu lesen, zumal mich alle tantrischen Bücher auch immer für eigene Experimente inspirieren.

Der Aufbau orientiert sich an dem Buch von Marc Davids »The Slow Down Diet«. Sie verwendet auch einige seiner Hauptbegriffe und überträgt seine Erkenntnisse der Entschleunigung beim Essen auf das Bett. So bringt sie tatsächlich alle früheren Informationen gespickt mit neuen Worten unter den neuen Hut »Slow Sex«. Das liest sich spannend. Als Leserin bin ich durch diese neue Verpackung interessiert dabei, zumal eine Wiederholung vom 1x1 des tantrischen Sex nicht schaden kann. Etwas störend finde ich die Häufigkeit der Verwendung des Modewortes »metabolisch«.

Das tantrische Wissen wird dem Vorbild von Marc Davids Buch entsprechend in die acht Stoffwechsel-Kapitel unterteilt: Entspannung, Bewusstheit, Qualität, Rhythmus, Genießen, Gedanken, Geschichte. Danach folgen Hinweise für die Slow Sex Praxis und Antworten zu Fragen und möglichen Problemen beim Umsetzen der Vorschläge, die in den bisherigen Büchern so nicht zu finden sind. Neu sind auch die Übersichtlichkeit und die Beschränkung auf wenige, hilfreiche Übungen zum Einstieg, sowie das Kapitel zum Heiligen Raum und der Hinwendung zum Göttlichen durch das Gebet. Diana Richardson betont, dass ihr Buch kein technischer Ratgeber ist, sondern zu einem Wandel im Bewusstsein führen soll. Die individuelle und kollektive Konditionierung, besonders dabei die Ziel- und Orgasmusfixierung in der Sexualität, sollen einem entspannten Sein in der Verankerung und Präsenz des inneren Körpers weichen. Ihr Buch ist geeignet für Paare, die die spirituelle Reise nach innen gemeinsam gehen wollen und in ihre langfristige Beziehung mehr Liebe und Bewusstheit bringen möchten.

Wenn Diana schreibt, dass Egolosigkeit, Natürlichkeit und Zeitlosigkeit die wesentlichen Elemente der Ekstase sind, dann fange ich an zu zweifeln, ob diese erleuchtungsträchtigen Begriffe dem Alltagsmenschen nicht zu viel im Bett abverlangen. Auch wenn sie vorschlägt, dass Paare für die Slow Sex Praxis ein drei Stunden Fenster öffnen sollten, und ab und zu einen ganzen Tag, dann fallen mir die vielen Seminarteilnehmer ein, die gefangen in den Pflichten von Arbeit und Kindersegen froh um ein halbes Stündchen Schlummersex sind. Einundzwanzig Tage am Stück Liebemachen oder dreizehn Stunden – das ist etwas für echte Pioniere. Ich finde, wir sollten uns von ihnen den Weg unbedingt weisen lassen.
Das individuelle Leben selbst wird dann entscheiden, was umsetzbar ist. Meiner Meinung nach wird das Brechen mit Jahrtausende alten Konditionierungen sowieso nicht von heute auf morgen geschehen. Also können wir getrost langsam wachsen und die kostbaren Anregungen dazu nutzen. Also: slow voran!

Bewertung: sehr gut

Regina Heckert

Diana Richardson: Slow Sex. Zeit finden für die Liebe. Integral 2011, 240 S., HC, 16,99 €

   
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