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Catharina Aanderud: Weniger ist mehr

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Catharina Aanderud
Catharina Aanderud

Den Klauen des Habens entrinnen

Eigentlich enthält dieses Buch nicht viel Neues, was man nicht schon woanders hat lesen können; das sagt die Autorin auch selbst. Trotzdem lohnt es sich wegen der Art, wie Catharina Aanderud schreibt, und wegen des Aufbaus des Buchs. Aanderud beginnt mit den Hintergründen, die uns zu »Konsumenten« unserer eigenen Lebensgrundlagen und letztlich von uns selbst machten

Doch dann lässt sie den Leser nicht im Schockzustand allein, sondern zeigt, wie Schritte aus diesem Irrsinn aussehen könnten. An vielen Beispielen macht sie deutlich, dass Glück durch Überfluss (»Haben!«) eine Illusion ist und im Gegenteil durch Reduzierung (Gegenstände, Informationen, Aktivitäten) viel an Lebensqualität gewonnen werden kann.

Gerade weil wir durch die Ökonomisierung aller Bereiche unseres Lebens weitgehend an den Status Quo gewöhnt wurden, ist es wichtig, sich durch Bücher wie dieses den Spiegel vorzuhalten und sich durch die vielen aufgezeigten alternativen Verhaltensweisen Denkanstöße für den eigenen Alltag zu holen. Denn es ist nicht leicht, gegen den Strom zu schwimmen. Diese Erfahrung machte auch Aanderud – sie geriet während des Schreibens in eine Sinnkrise, die sie mit Hilfe ihres Meditationslehrers Oliver Petersen überwand. Den Leser lässt sie durch ein eingeschobenes Interview an dieser Krisenbewältigung teilhaben. Gegen Ende des Buches geht es um das grundlegende Thema des Loslassens und des Akzeptierens, »dass Wandel und Vergänglichkeit der Inbegriff des Lebens sind«. Aanderud rundet diesen Punkt mit einem weiteren Interview ab, diesmal mit dem Nahtodforscher Kenneth Ring.

Ganz zu Ende ist das Buch dann doch noch nicht – es folgt quasi als Zugabe eine Art Parabel über die Abkehr der immer mehr im Dunkeln lebenden »Goldonen« (die sehr viel Ähnlichkeit mit heu tigen Erdbewohnern haben) vom Geld; damit schaffen sie sich (nach Aanderud!) die Voraussetzung für ein besseres Leben (»Es wurde Licht im Goldonenland! «).

Etwas ärgerlich sind die vielen »Flüchtigkeitsfehler« (fehlende Buchstaben oder Worte; der häufig vorkommende Name »Bernays« mal mit, mal ohne s am Schluss; fehlende Wortzwischenräume u.a.). Auf den Buchtitel anspielend könnte man sagen: Weniger Fehler bedeuten mehr Lesefreundlichkeit.

Bewertung: gut

Volker Freystedt

Catharina Aanderud: Weniger ist mehr. Zurück zum eigenen Maß. Classicus Verlag Hamburg 2011, 240 S., SC., 14,90 €

   
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