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Interviews

Interview mit Eric Lynn über Entwicklungscoaching

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Interview mit Eric Lynn über Entwicklungscoaching
Eric Lynn

»Mehr Miteinander, mehr Realität und mehr Ehrlichkeit«

Eric Lynn ist seit 30 Jahren Entwicklungscoach. In seiner Arbeit als international tätiger Ökonom und Lehrer, als Trainer, Facilitator, Berater, Führungs- und Life-Coach kommt zutage, das man ihn in keine Schublade stecken kann. Ein Interview über seine Art zu Coachen, zu Denken und zu Leben.

Du bist ja schon als Kind mit den verschiedensten Kulturen in Kontakt gekommen. Kannst Du das Wesentliche von Deinem Lebensweg kurz schildern.

Ich bin in England aufgewachsen. Meine Eltern waren Deutsche, das heißt, ich war immer der Fremde. Ohne dass ich das damals gewusst habe, ohne dass es mir damals bewusst war, aber du merkst, dass irgendetwas nicht das Selbe ist. Du bist irgendwie anders. Auch die Tatsache, dass meine Mutter damals einen ziemlich starken Akzent hatte, hat sie herausgestellt von allen anderen.

Auch das Schulsystem in England hat dazu beigetragen: zu der Zeit war das einzige Pflichtfach in England Religion, das war natürlich Church of England. Es war auch da Pflicht zu den so genannten Assemblies zu gehen, was ich natürlich nicht gemacht habe. Alle, die keine Christen waren wurden in eine Ecke gestellt. Wir gehörten nicht dazu. Mit dem Gefühl, nicht dazu zu gehören, bin ich aufgewachsen. Ich habe nie dazu gehört, aber es passt schon.

Der zweite Punkt: ich bin in London aufgewachsen und London war durch die Geschichte immer ein Treffpunkt für die Menschen aus aller Welt. In den Schulen, die ich besucht hatte, waren immer viele verschiedene Nationalitäten. Das gehörte einfach dazu.

Als Unternehmensberater wirst Du häufig angefordert, wenn es um Integration geht. Hat diese Fähigkeit Menschen zu integrieren die Wurzeln auch in diesen Kindheits- und Jugenderfahrungen – oder ist dies später entstanden?

Das ist schwierig zu sagen: Wo entsteht was? Wo habe ich wie was gelernt? Ich kann es selten auf den Punkt bringen, dass dieses Ereignis da und dort Ursache für etwas ist.

Es hat sicherlich dazu beigetragen, weil, wenn Du in einer Gesellschaft aufwächst, die sehr viele Facetten hat, dann ist es für dich etwas Natürliches. Der Gegensatz ist das, wenn man in einer Gesellschaft aufwächst, wo hauptsächlich nur ein Menschenstamm existiert, dann ist alles andere fremd. Das heißt, was den Meisten fremd war, war für mich nicht fremd. Das war der gewohnte Alltag und Ich kann nicht wirklich sagen, dass diese integrative Fähigkeit dort entstanden ist. Vielleicht war es so, es hat sicherlich eine Rolle gespielt, aber ich weiß es nicht. Vielleicht hat es auch eine Rolle gespielt, als ich angefangen habe, in diesem Bereich zu arbeiten. Die Anfangsanfragen. Ich meine ich komme in diese Arbeit über die Trainingsschiene, in der ich jahrelang eine eigenen Firma hatte. Kommunikationstraining und hatte immer das Gefühl dabei, da stimmt was nicht. Es ist nicht genug. Ich suche etwas anderes.

Was war es denn, was nicht gestimmt hatte, im Kommunikationstraining?

Kommunikationstraining spielt auf der Oberfläche. Das Meiste ist sehr oberflächlich. Ich versuche dem Teilnehmer irgendeine Verhaltensänderung beizubringen, aber das ist längst nicht ausreichend. Wenn jemand sein Verhalten ändert, ist es lange nicht gesagt, dass er als Mensch seine Einstellung geändert hat. Das machen Schauspieler jeden Tag. Es gibt im tagtäglichen Leben, ob in der Wirtschaft und in sonstigen Systemen genügend Schauspieler.

Interview mit Eric Lynn über Entwicklungscoaching
Foto: Andras, pixelio.de

Würdest Du denn behaupten, dass das normale Kommunikationstraining manipulativ arbeitet?

Wirkliche Veränderungen bringst Du nur über die Änderung der Einstellung bei.

Absolut. Es gibt natürlich Ausnahmen. Es gibt Trainer, die merken, da stimmt irgendetwas nicht. Die befinden sich dann auf einer anderen Schiene. Aber das Manipulative ist sehr, sehr dominant. Organisation, nicht nur Unternehmen, auch Regierungen, etc. , die möchten, dass ihre Mitarbeiter in bestimmten Situation sich genau so verhalten. Sie werden gezielt trainiert sich so zu verhalten. Vertriebsleute werden trainiert, sich so zu verhalten. Ingenieure werden trainiert sich so zu verhalten. Das ist alles nur eine Show. Der Punkt ist, eine Manipulation, die der Mensch in den meisten Fällen nicht merkt. Wenn es ihm bewusst wird, dann merkt er das und er fühlt sich dabei unwohl. Vielleicht fühlt er sich nicht in der Lage das auf einen Punkt zu bringen. Angst spielt natürlich eine große Rolle. Vielleicht gefällt ihm seine Stelle im Großen und Ganzen. Vielleicht hat er das Gefühl er muss das nicht machen. Wirkliche Veränderungen bringst Du nur über die Änderung der Einstellung bei.

Ich persönlich unterscheide zwischen kulturellen Werten, die ‚man' macht, und den tiefsten Sehnsüchten des Herzens, die nenne ich Herzenswünsche. Du hast mal gesagt, nur Menschen, die Ihre Werte verwirklichen, werden glücklich. Wie findet man seine Werte? Siehst Du das auch so mit äußerlichen Werten und innerlichen Werten?

Wenn ich zu sehr nach äußeren Sicherheiten suche, dann stelle ich mir selbst ein Bein in meiner persönlichen Entwicklung.

Das sind zwei Fragen: Erstens Äußere und innere Werte. Es ist schon der Unterschied von Werten, die von der Gesellschaft vorgegeben werden und Werten, die ich verinnerlicht habe.

Aber auch diese Werte, die eine Gesellschaft behauptet, ich habe diese Werte, die werden von vielen Menschen durch das Leben dort verinnerlicht. Das heißt es gehört zu ihnen. Was wir lernen müssen, ist zu unterscheiden zwischen dem, was ich bis jetzt gelernt habe und dem, was mich wirklich treibt und wie sich das Gesamtpaket auf mein Wesen auswirkt. Ein praktisches Beispiel hier in Deutschland ist der Wert ‚Sicherheit'. Es wird nach außen getragen. Es wird auch verinnerlicht. Es stammt meines Erachtens aus den Ereignissen der 20-ger Jahre, was den Nazis eine Basis gegeben hat: die Inflation. Und jeder sagt, jetzt, nach diesen Erlebnissen, nie wieder.

Sicherheit, Sicherheit und Sicherheit, wir wollen etwas vermeiden und das ist auch gut so. Aber Sicherheit, wenn ich das verinnerliche, hat einen Haken. Sicherheit ist ein reines Gefühl. Ich fühle mich sicher, oder ich fühle mich nicht sicher. Das ist letztendlich nur ein Gefühl. Sicherheit gewinne ich nur, wenn ich mit mir selbst in Frieden bin. Das muss ich erst einmal erkennen. Wenn ich zu sehr nach äußeren Sicherheiten suche, dann stelle ich mir selbst ein Bein in meiner persönlichen Entwicklung. Das hält mich zurück. Es ist ein Angstfaktor. Es hält mich zurück, das zu machen, was ich wirklich machen will. Auf diesen Punkt muss ich erst einmal kommen.

Wie spürt man das, was einem wirklich wichtig ist?

Das ist eine Entwicklungsfrage. Meistens kommen wir drauf durch eine negative Erfahrung. Das heißt, wir müssen das Negative erleben, um auf das Positive zu kommen. Die meisten Menschen – in der westlichen, aber auch in der östlichen Gesellschaft – die sind nicht wirklich glücklich in ihrem Leben. Die werden in eine Position oder ein Umfeld geschoben und die merken, es stimmt irgendetwas nicht. Es kann ein Druck sein. Es kann ein Unglück sein. Es kann ein äußeres Glücklichsein sein. Aber es fehlt immer etwas. Und das was fehlt, ist natürlich ein Sinn. Wofür tue ich das? Was macht es mit mir? Dieses Wofür muss man erst einmal heraus finden. Es ist nur eine relativ geringe Anzahl von uns Menschen, die das überhaupt einmal anschauen.

Wie findet man es heraus? Okay, wenn ich in so einer Lage bin, dass ich gezwungen bin, mich selbst einmal anzuschauen, dann fängt es natürlich an. Das ist zunächst einmal unangenehm. Aber das Unangenehme ist gut. Du musst lernen damit umzugehen. Es zu akzeptieren und nicht dagegen zu kämpfen. Danach, das ist dann ein Prozess. Aber was passt zu mir? Da muss ich mir bestimmte Fragen stellen. Ich muss mir die Fragen stellen ‚An was habe ich Freunde?', ‚Wo spüre ich Liebe?'. Wie wir wissen, gibt es verschiedene Arten von Liebe. ‚Wo spüre ich einen Antrieb?', ‚Bei was spüre ich, dass wenn ich es mache, ich habe eigentlich kein Gefühl, für das was ich mache – es springt ganz natürlich aus mir heraus?' Es ist wie das Fliegen. Prof. Csikszentmihalyi hat in den 80-ger Jahren sehr, sehr ausgiebig darin geforscht und sein Buch ‚Flow' dazu herausgebracht. Zur Tatsache, dass das schon 30 Jahre her ist, sagen Manche, die 80-er Jahre sind schon lange her, aber das gilt immer noch. Das Prinzip ist immer noch stimmig.

Mir ist aufgefallen, dass Du im Gespräch, in Deinen Vorträgen und Deiner Arbeit diesen Begriff ‚Spiritualität' meidest. Auf der anderen Seite höre ich bei Dir zwischen deinen Worten ganz viel Spiritualität heraus. Was ist für Dich Spiritualität?

Es stimmt, was Du sagst. Alle Menschen sind spirituelle Wesen. Inwieweit uns das als einzelne bewusst ist, das ist eine völlig andere Frage, das ändert nichts an der Tatsache. Wir sind ein Wesen in einem Körper. Spiritualität hat mit Gefühl und auch mit Unbewusstem und Unbekanntem zu tun. Das zu akzeptieren was ist, was auch immer es sein mag. Es ist unsere Verbundenheit, nicht nur miteinander, sondern die ganze Energie, der Äther. Jeder Platz hat eine gewisse Energie. Statt zu sagen, was ist Spiritualität, sage ich einfach, wir sind spirituelle Wesen.

Du hast Recht, wenn Du sagst, ich vermeide den Begriff in meiner Arbeit. Ich arbeite hauptsächlich in der Wirtschaft. Ich vermeide den Begriff, da er erstens einen negativen Touch in unserer Gesellschaft hat. Der zweite Grund ist, wenn ich Menschen erreichen möchte, dann muss ich deren Sprache sprechen. Ich muss eine Sprache sprechen, die die anderen annehmen können. Gleichzeitig muss ich da eine Sprache sprechen, die zu mir persönlich passt. Und ich bin konkret und ich will auch auf das Konkrete hin arbeiten. Das möchte jeder Mensch in irgendeiner Form. Natürlich erreiche ich nicht jeden, das ist auch gut so. Letztendlich erreichen wir diejenigen, die richtig sind, egal wie wir arbeiten. Das ist der Grund.

Nun ist es ja so, dass in der Wirtschaft derzeit sehr viel mit diesen Emotionen, mit dieser Nachhaltigkeit geworben wird. Die Begeisterung soll bei denen erzeugt werden, die die Marken vertreten. Dieses UPP, dieses Unique Passion Proposition Wie siehst Du diese Situation?

Ein Unternehmen hat keine Emotion. Die Unternehmen verkaufen nicht mehr die Produkte sondern sie vertreiben die Gefühle. Ist das o.k. – klar ist das o.k., weil viele das wollen. Ich möchte das nicht verurteilen. Ich sage nur, das ist ein Bild, was uns die Unternehmen verkaufen möchten. Aber das Unternehmen hat keine Emotion, ein Unternehmen hat eine Kultur. Das ist klar. Die Menschen im Unternehmen haben Emotionen. Die Menschen im Unternehmen sind für die Kultur, die Atmosphäre verantwortlich. Es sind die Menschen, die die Emotionen weitergeben.

Nachhaltigkeit zum Beispiel, das ist so ein Modebegriff geworden. Es gibt wenig Menschen, die wirklich sagen können, was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet. Vielleicht habe ich ein ganz anderes Verständnis von Nachhaltigkeit als Du. Als Beispiel: Vor 10 bis 12 Jahren ist der Begriff Globalisierung ein Modebegriff geworden. Ich habe mich damals gefragt, was heißt das überhaupt und habe eine ganz kleine Studie angefangen per email. Ich habe eine Mail an meine vielen Kontakte geschickt und einfach ein paar Fragen gestellt in englisch und deutsch. Ich habe die Antworten dann in sechs oder sieben Gruppierungen eingeteilt. Natürlich war das damals nicht repräsentativ, aber interessant. Was ich damit zeigen wollte, ist, da gibt es keine einvernehmliche Definition davon. Bei Nachhaltigkeit – da würde ich drauf wetten, dass Du ähnliche Ergebnisse bekommst. Das ist der erste Punkt. Der zweite die Werte von Unternehmen. Die Werte die auf dem Papier stehen, sind sehr, sehr häufig irrelevant. Es geht darum, was gelebt wird. Eine Veränderung, egal in welche Richtung, muss von oben kommen. Es muss von oben getragen werden. Es muss von oben gelebt werden. Besonders in einer Organisation mit einer ziemlich negativen Kultur, das sind sehr, sehr viele, aber bei langem nicht alle. Bei Veränderungsprozessen sind die Menschen zuerst mal auf der Hut. Das heißt, der oder die jenige, der das führt, muss als glaubhaft, authentisch und mit persönlicher Integrität rüberkommen. Sonst bewegst Du überhaupt keine Veränderungen.

Nun sind wir bei deinem persönlichen Entwicklungscoach angelangt. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Ich muss Freude und Liebe leben. Darum geht es. Da entwickle ich mich selbst.

Personal Development. Das ist persönliche Entwicklung. Diejenigen, die als Klienten zu mir kommen, mit denen stimmt irgendetwas in deren Leben nicht. Das haben sie selbst herausgefunden, sonst hätten sie mich oder meine Kollegen/innen nicht ausgesucht. Es geht mir darum herauszukitzeln, nicht nur was da nicht stimmt – das geht relativ leicht -, sondern was verbirgt sich dahinter. Warum stimmt das nicht? Warum bist Du so, wie du bist und was müsstest Du verändern. Das sind sehr oft ganz persönliche Geschichten, einzelne Erlebnisse. Es geht mir darum herauszukitzeln, was die wirklich wollen. Das verbirgt sich dahinter.

Ich entwickle mich selbst als Mensch, dass ich da ein Leben führen kann, indem ich mich so glücklich fühle. Glücklich ist nicht genug. Es ist natürlich wichtig, aber es ist nicht genug. Ich muss Freude und Liebe leben. Darum geht es. Da entwickle ich mich selbst. So gestalte ich mein Leben, dass ich dies habe.

Mit welchen Methoden arbeitest Du? Wie kitzelst Du es heraus?

Ich provoziere mit Fragen und mit Interventionen. Mit Fragen und Kommentaren, die nicht nur zum Nachdenken anregen sollen. Die Aufgabe ist provokative Fragen zu stellen. Ich bin manchmal wie der nervige 3-jährige Junge, der immer fragt: »Warum?«, »Warum?«. »Warum?«. »Was bringt dir dies?« und »Was bringt dir das?«. Nachfragen, nachfragen, nachfragen. Ich mach das mit Fragen. Ich arbeite auch sehr viel bildlich. Lass ihnen Situationen malen, das spricht die Gefühle an, in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. Je nachdem wie die Frage lautet. Auch einmal ein bisschen körperlich. Da hole ich Kollegen rein, die das viel besser machen können. Es sind alle Facetten dabei: Es ist Körper, Geist, Seele.

Momentan ist in unserer Welt sehr viel in Umbruch, sowohl in Europa als auch überall in der Welt. Wie siehst Du denn die Probleme der heutigen Zeit? Welche Möglichkeiten zur Veränderungen gibt es Deiner Meinung nach?

Für mich ist eines der Hauptprobleme, dass wir versuchen Menschen zu zwingen in einer Art zu Leben, die in eine bestimmte Gesellschaftsvorstellung hineinpasst. Das macht Menschen unglücklich. Das Thema Macht und Missbrauch von Macht kommt hier stark zum Tragen. Konflikte entstehen nicht, wo du gegenteilige Interessen hast. Aber dort wo du das Gefühl hast, ich muss irgendetwas abwehren. Oder jemand fühlt sich in irgendeiner Art und Weise unterdrückt und nicht frei. Das sind Machtspiele. Angst spielt eine sehr große Rolle als Treiber. Jeder will mehr. Keiner will irgendetwas abgeben. Man muss nicht unbedingt irgendetwas abgeben, aber es ist gut, was der Mensch in sich hat. Menschen sind vom Grundsatz her gut. Kriege hat es immer gegeben. Konflikte hat es immer gegeben. Es hat immer Menschen gegeben, die über andere die Macht haben wollten. Die Kriege in vergangenen Zeiten waren viel brutaler als heute. Es ist wirklich nicht leicht, jemanden aus der Entfernung zu erschießen. Aber hin zu gehen mit dem Schwert und den zu köpfen, ich glaube das braucht mehr Mut, denn du siehst dem ja in die Augen. Das ist viel gewalttätiger.

Welche Vision hast Du denn von einer zukünftigen Welt? Was wünscht Du dir für die Menschheit?

Was ich mir wünsche, ist mehr Miteinander, mehr Realität und mehr Ehrlichkeit.

Als ich viel jünger war, hatte ich die Idee, wenn ich mich gesellschaftlich engagiere, sei ich wirklich in der Lage, etwas positiv zu verändern. Ich machte mir Gedanken in die Politik einzusteigen und ich bin heil froh, dass ich das nicht gemacht habe, besonders wenn ich das jetzt anschaue. Das war junge Naivität. Heute stelle ich mir die Frage, wie und wo bin ich in der Lage irgendetwas zu verändern. Ich bleibe da in meinem unmittelbaren Umkreis. Da kann ich meine Werte ausleben und weiter verbreiten. Mein Kreis kann sich erweitern. Die Menschen, mit denen ich zu tun habe, die breiten das auch aus. Ich denke, wir finden immer die richtigen Menschen. Das passiert automatisch. Was ich mir wünsche, ist mehr Miteinander, mehr Realität und mehr Ehrlichkeit. Wir müssen die Gegenwart erst einmal erkennen, bevor wir sie überhaupt verändern können. Was gut oder schlecht ist, müssen wir beim Namen nennen können und sagen ‚O.K. das ist jetzt die Ist-Situation. Das muss ich akzeptieren. Das muss ich umarmen und sagen: ‚Ja, hallo, du gehörst zu mir.' Das ist die Situation und erst danach kann ich es Schritt für Schritt umwandeln. Und was ich mir wünsche, ist natürlich mehr Freude im Leben, in den Gedanken und in der Gesellschaft. Das erreicht man dadurch, dass Menschen anfangen das zu tun, was zu ihnen passt. Die sollen sich als Menschen ausleben und nicht das Leben von anderen ausleben, was sehr viele tun.

Das Interview führte Christl Kirmair

Eric Lynn ist ein Life and Executive Coach, Facilitator, Cultural Integration Consultant, Trainer und Entrepreneur mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Entwicklung und Durchführung von Personal Development Programmen. Bei seinen Klienten, zu denen die Europäische Kommission sowie globale Konzerne gehören, hat er sich den Ruf erworben, eindringliche Fragen zu stellen, die die Menschen herausfordern, um wirklich sinnvolle Ergebnisse zu erzielen.

   
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