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Interviews

Interview mit Thomas Hübl über die Spiritualität als Essenz von Therapie

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Interview mit Thomas Hübl über die Spiritualität als Essenz von Therapie
Thomas Hübl

»Was heilt, ist das Energiefeld des Therapeuten«

Die Schweizer Therapeutin Miriam Monique Popper interviewte den spirituellen Lehrer Thomas Hübl zum Thema »Spiritualität als Kernessenz von Therapie«. Die gekürzte Version des Interviews, wo er sich zu den mystischen Dimensionen in der Therapie äußert, ist in der April-Ausgabe von Lebens(t)räume zu lesen.

Was sollten Eltern tun, um ihrem Kind optimale Bedingungen für eine gesunde seelische Entwicklung zu bieten?

Jeder Mensch, der ins Leben kommt, kommt mit einer gewissen Kernintelligenz, die sich ausdrücken will. Ich schaue diese Kernintelligenz von der mystischen Seite an: etwas entsteht aus dem Nichts, konzentriert und verdichtet sich zu einer Form und kehrt irgendwann wieder in dieses Nichts zurück. So kommt jedes Kind mit einem kreativen Impuls ins Leben und will die Kernintelligenz ausdrücken. Wird dies nicht gestört, dann entsteht ein Lebensfluss. Wird die Energie jedoch blockiert durch gewisse Strukturen in Familie, Schule und Gesellschaft, wird die Kernintelligenz in ihrer Entfaltung gestoppt: dies führt zu Symptomen, an welchen dann die weitere Lebensenergie sozusagen abprallt und sich zurückzieht. Anstatt zu fließen entsteht eine verfestigte Struktur. Es kommt zu Vermeidungsverhalten und »Schattenerfahrungen«, die Kernintelligenz kann sich nur noch über eine »Umgehungsstraße« ausdrücken, was immer sehr viel Energie braucht. Wenn Eltern den Lebensfluss ihres Kindes unterstützen, werden sie ein Umfeld schaffen, in dem das Kind seiner eigenen Kernintelligenz gemäß aufwachsen und sich verwirklichen kann. Dann besteht Kontakt und Berührung und Entwicklung.

Kannst du etwas zu dieser »mystischen Perspektive« in der Therapie sagen?

Ein Therapeut, der auch spirituell arbeitet, hat in allen seinen Kompetenzen den größtmöglichen Bewusstseinsradius. Solch eine höhere Bewusstheit ermöglicht, intuitiv zu erkennen, welches die traumatischen Erfahrungen sind: diese stellen immer auch eine Art von »Nichtkontakt« dar. Der oder die Therapeut/in wird dann durch die therapeutische Beziehung Kontakt zu diesem Ort im Patienten schaffen. Dazu braucht es eine hohe Beziehungskompetenz. Was heilt, ist aus meiner Sicht, das Energiefeld des Therapeuten, der den Klienten so umfassen kann, dass die energetische Beziehung an den Orten des »Nichtkontaktes« Kontakt schaffen und damit den gestoppten Lebensfluss ins fließen bringen kann.

Was bräuchte es für dich in der Psychotherapie- Ausbildung, damit Therapeuten auf diese hoch intuitive Art arbeiten und heilen lernen?

Es braucht die mystische Dimension und eine spirituelle Praxis, die es dem Therapierenden ermöglicht, den anderen nicht nur als psychologisches Wesen zu sehen, sondern als energetisches Bewusstseinsfeld. Je größer der Radius meiner Bewusstheit ist, umso größer ist meine Wirkkraft als Therapeut. Denn dann erfasse ich die verschiedenen Ebenen der Bewusstheit. Ich kann erfühlen, wo dein Bewusstsein stagniert und kann auch mit der tiefsten Quelle deines Karmas arbeiten. Solch eine Arbeit kann wie ein Wunder aussehen, doch geschieht die Heilung an der Wurzel des Seins.

Interview mit Thomas Hübl über die Spiritualität als Essenz von Therapie
Das Celebrate Life Festival

Wie siehst du den Zusammenhang von Körper und Spiritualität?

Die psychotherapeutische Körperarbeit ist sehr wichtig, doch soll der Therapeut auch eine hohe energetische Kompetenz entwickeln, nicht nur die Muskeln und die Haltung, sondern die Information dahinter lesen können, das, was zu den körperlichen Verspannungen und Wahrnehmungen des Klienten führt. Ich finde, dass Energiearbeit noch effektiver ist als reine Körperarbeit, sie bietet mehr Information und öffnet daher größere Chancen zur Transformation. So arbeiten auch Yogameister, die alle Ebenen erkennen, nicht nur auf der rein physischen Ebene. Für mich war diese Erkenntnis das Eintrittstor zur Spiritualität: Körper- und Energiearbeit war wichtig, aber nicht genug – ich wollte darüber hinaus sehen, was es da noch gibt.

Würde die therapeutische Arbeit in einer Gruppe anders aussehen als im altbewährten Zweiersetting?

Jeder der Gruppenteilnehmer kann zum Therapierenden werden

Ja, in einer größeren Gruppe von Menschen, die sich aufeinander einschwingt und ein gemeinsames Bewusstseinsfeld erzeugt, eröffnet sich ein »Wir-Kontext«, der intensiver und energetisch höher schwingt als ein Einzelbewusstsein allein. Ich glaube, dass dieser »Wir-Kontext« eine natürliche Weiterentwicklung dessen ist, was bis jetzt die Einzelbewusstseinsarbeit gewesen ist. In solch einem Wir-Feld öffnet der »Therapeut« durch seine Präsenz einen Bewusstseinsraum, er umfasst die Gruppe und unterstützt das, was sich im Gruppenteilnehmer entwickeln und zeigen möchte. Es ist jedoch nicht mehr er alleine, der den Ort des Kontaktes zum gestockten Lebensfluss des Einzelnen schafft, es ist das gesamte Feld, in welchem Heilung geschieht. Jeder der Gruppenteilnehmer kann zum Therapierenden werden, jeder kann in Fluss geraten, jeder ist zugleich gebend und empfangend.

Du bezeichnest dich als spiritueller Lehrer, nicht als Therapeut oder Beziehungscoach. Was ist ein spiritueller Lehrer und braucht es einen solchen, um sich weiter zu entwickeln?

Ein wirklicher spiritueller Lehrer ist wie ein »Loch in der Matrix«

Ein wirklicher spiritueller Lehrer ist wie ein »Loch in der Matrix«. Solch ein Mensch ist nicht vorher berechenbar, er ist immer spontan, immer neu und frisch, weil sich seine Persönlichkeitsstruktur transzendiert hat. In gewissem Sinn spricht die Information aus einer höheren Bewusstseinsebene direkt, es ist nicht mehr die Struktur, das Ego des Lehrers, das sie spricht. Wenn wir spirituell praktizieren, handeln wir nicht mehr aus der Vergangenheit heraus, sondern aus dem lebendigen Licht des jetzigen Augenblicks. Diese höchste Form des spirituellen Lehrers ist das »Loch in der Matrix«, wo das Licht der Schöpfung durchscheint, die übergeordnete Intelligenz durchfließt.

Dies wäre ein Leben ohne jede störende Struktur der Vergangenheit, die einschränkt und behindert.

Ja, und dieses Leben ist immer »on-line«, das spricht nur dann, wenn es wirklich kommt, solch ein Lehrer spricht nicht übers Leben, sondern das Leben spricht selbst, bei einem wahren Lehrer ist Struktur so transzendent, dass dem Lebensfluss nichts entgegensteht – er ist einfach leerer, ein wahrer Lehrer ist leerer. Solch ein Lehrer umfasst seinen Schüler, er ist nicht getrennt wie Körper und Körper, er ist die Leere des Bewusstseins. So kommst du als Schüler mit der Leere des Bewusstseins in Kontakt. Das ist Liebe, der tiefste Raum, der in dir selbst auch ist. So fängt der Raum an, in dir aufzuwachen.

Was können wir tun, um mehr und mehr in dieses Erwachen einzutauchen?

Einer der besten Wege, sich spirituell zu entwickeln, ist, mit einem spirituellen Lehrer in Kontakt zu sein. Es sieht so aus, als ob da gar nicht viel geschehen würde, aber wenn du lange im Energiefeld eines solchen Lehrer bist, dann hast du deine eigenen Einsichten, dir werden ganz viele Dinge klar, selbst wenn diese gar nicht vom Lehrer ausgesprochen werden, weil da eine Energieübertragung stattfindet. Weil du mit diesem »Loch in der Matrix« in Kontakt bist, durch das das Licht in die Welt strahlen kann.

Das Interview führte Miriam Monique Popper

Thomas Hübl ist ein zeitgemäßer spiritueller Lehrer. In seinem Wirken versucht er, die Essenz der Weisheitstraditionen mit wissenschaftlicher Erkenntnis zu verbinden. Thomas Hübl und sein Team laden vom 26. Juli bis 5. August 2012 zum Celebrate Life Festival in Norddeutschland inspirierende Gäste ein, die mit ihrem visionären Denken und ihrem Engagement begeistern. Infos unter www.celebrate-life.info

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