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Marianne Gallen, Torsten Brügge und Wolf Schneider bloggen zu den Themen Spiritualität, Psychologie und Bewusstseinsentwicklung.

Die Freiheit des Perspektiven-Wechsels

Veröffentlicht von am in Marianne Gallen
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Dieses digitale Bild hat der Künstler „focus of attention“ genannt – Fokus der Aufmerksamkeit.  

Wir Menschen besitzen die wunderbare Freiheit, unseren Aufmerksamkeitsfokus zu verlagern.  

Je nachdem, welchen Blick-Winkel ich einnehme, verändern beobachtendes Ich und Wahrgenommenes ihre Beziehung zueinander. Wenn sie zusammenfallen, wird die Welt der Erscheinungen als Eins (Nicht-Zwei) erfahren.  

Die Perspektive des Nicht-Zwei 

In der Perspektive des Nicht-Zwei (Non-Dualität), fallen außen und innen, ich und der andere, Licht und Schatten, alle Polaritäten der Erscheinungswelt in sich zusammen. Stille macht sich breit, welch eine Entspannung! Erscheinungen werden aus dieser einen Quelle geboren und kehren wieder dorthin zurück. In Bewegungslosigkeit verharrend, scheint das Wechselspiel der Phänomene wie ein Tanz, an dem Niemand teilnimmt.  

Das Leiden am Ich und an der Person hört hier auf, sie existieren nicht mehr. Schmerzfreiheit? Kummer und Sorgen, Zwischenmenschliches, die Mühsal des Lebens, werden zu einer kleineren Welle im großen Ozean des Gewahrseins. Das Leben und der Tod: Ereignisse in einem Kontinuum des Ungetrennten.  

Die Perspektive der Zweiheit 

Zweiheit kann aus verschiedensten Blickwinkeln wahrgenommen werden. Jede davon eröffnet ein anderes Erlebens-Universum. Die mikroskopische Betrachtung erschließt den Mikrokosmos, der Blick in die Weite den Makrokosmos. Ein nach innen gerichtetes Auge rückt das subjektive Erleben in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, der Szenenwechsel in die Außenwelt lässt Gegenstände erscheinen. Wird scharf fokussiert, entstehen klare Formen und Konturen im Bewusstsein, bei weicherer Einstellung verschwimmen die Eindrücke.  

Die Wahrnehmungswelt spaltet sich auf in Subjekt und Objekt: Jemand erkennt etwas und nimmt es in sein Bewusstsein auf. Der Beobachter kann dabei unterschiedliche Brillen auf der Nase haben, die wie Filter auf die Inhalte einwirken oder sie in einem speziellen Licht erscheinen lassen. Konzepte, an die wir glauben, nehmen Einfluss auf die erkannte Realität.

 

Die gefestigte Perspektive 

Halten wir fest an der einen, immer gleichen Perspektive, dann laufen wir Gefahr, sie mit einer Wahrheit oder Realität zu verwechseln. Für manche ein Ideal: Ein Mensch mit einer gefestigten Meinung. Sein Aufmerksamkeits-Fokus ist zementiert im immer gleichen Blickwinkel. An-Sichts-Sache: Die Meinung zu einem Inhalt ergibt sich aus dem Referenz-Punkt des Betrachters.  Der so erkannte Wirklichkeits-Ausschnitt, hat keine Chance, sich zu wandeln.  

Ebenso ist es mit dem toten Winkel dieses Zusehers. Das Ausgeblendete befindet sich immer an der gleichen Stelle, der blinde Fleck auch. Manchmal wird so ganz vergessen, dass es auch ganz und gar Unbemerktes im Wahrnehmungsfeld gibt – Schattenphänomene und Verborgenes.  

Die Freiheit  

Durch den Wechsel der Perspektiven wird hier die Freiheit zurück erobert: Mal von innen, mal von außen, mal im Kleinen, mal im Großen, mal von unten, mal aus dem Vogelflug betrachtet, verändert sich das Aussehen der Dinge. Die Vielfalt ihrer Erscheinungsweisen, ihr Tanz im Universum wird so gesehen. Die Angst vor der erstarrten Form verschwindet. 

Auch Einsichten und Meinungen dürfen sich wandeln. Nichts muss mehr in Zement gegossen werden. Fest gefahrene Kommunikation kommt so wieder ins fließen. Verständnis wird möglich, wo vorher nur Gegensätze aufeinander prallten.  

Und wenn die eine Perspektive „gold“ sagt und die andere „weiß“, entstehen keine Unversöhnlichkeiten mehr, sondern reine Freude über die Vielfalt des Lebens.

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